Erinnern und Vergessen nach dem Bauernkrieg
Vortrag/Podium
Vortrag. Mit Martin Merki
Die Luzerner Untertanen reagierten nach dem Bauernkrieg 1653 anders, als es die Obrigkeit mit ihrer Erinnerungspolitik beabsichtigt hatte. Ihr Ziel war es, durch das jahrzehntelange Zur-Schau-Stellen der angenagelten und aufgesteckten Köpfe der hingerichteten Bauernführer an Galgen und Stadttoren dauerhaft Abschreckung zu erzeugen. Dieses Kalkül ging nur teilweise auf. Anstatt dem Redeverbot zu folgen und nicht mehr über den Krieg zu sprechen, wurden die hingerichteten Bauernführer zum Beispiel in Liedern besungen. Man stilisierte sie zu Märtyrern, denen Heilungen und Wunder zugeschrieben wurden. Durch die Bezugnahme auf himmlische Instanzen entstand so ein symbolischer Ort des Protests. Die Untertanen verfügten somit durchaus über Möglichkeitsräume, um ihren Deutungen Ausdruck zu verleihen und diese gegenüber obrigkeitlichen Ansprüchen zu immunisieren. So wurden Differenzen sichtbar, welche die Erinnerungskultur lange prägten. Faszinierend ist, dass lange nach dem "floating gap" nach 100 Jahren auf Erinnerungen zurückgegriffen wurde, welche als Schlüsselereignisse die Phase unmittelbar nach dem Krieg betrafen. In den Archiven der Macht, zu denen bis 1800 ausschliesslich die Obrigkeit Zugang hatte, lassen sich Spuren dieser konflikthaften Erinnerungskulturen finden.
Martin Merki, Dr. phil., studierte Allgemeine Geschichte und Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an den Universitäten Zürich und Lausanne. In seiner Dissertation befasste er sich mit dem Aufstand der Luzerner Bauern im Zweiten Villmergerkrieg 1712.
Die Luzerner Untertanen reagierten nach dem Bauernkrieg 1653 anders, als es die Obrigkeit mit ihrer Erinnerungspolitik beabsichtigt hatte. Ihr Ziel war es, durch das jahrzehntelange Zur-Schau-Stellen der angenagelten und aufgesteckten Köpfe der hingerichteten Bauernführer an Galgen und Stadttoren dauerhaft Abschreckung zu erzeugen. Dieses Kalkül ging nur teilweise auf. Anstatt dem Redeverbot zu folgen und nicht mehr über den Krieg zu sprechen, wurden die hingerichteten Bauernführer zum Beispiel in Liedern besungen. Man stilisierte sie zu Märtyrern, denen Heilungen und Wunder zugeschrieben wurden. Durch die Bezugnahme auf himmlische Instanzen entstand so ein symbolischer Ort des Protests. Die Untertanen verfügten somit durchaus über Möglichkeitsräume, um ihren Deutungen Ausdruck zu verleihen und diese gegenüber obrigkeitlichen Ansprüchen zu immunisieren. So wurden Differenzen sichtbar, welche die Erinnerungskultur lange prägten. Faszinierend ist, dass lange nach dem "floating gap" nach 100 Jahren auf Erinnerungen zurückgegriffen wurde, welche als Schlüsselereignisse die Phase unmittelbar nach dem Krieg betrafen. In den Archiven der Macht, zu denen bis 1800 ausschliesslich die Obrigkeit Zugang hatte, lassen sich Spuren dieser konflikthaften Erinnerungskulturen finden.
Martin Merki, Dr. phil., studierte Allgemeine Geschichte und Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an den Universitäten Zürich und Lausanne. In seiner Dissertation befasste er sich mit dem Aufstand der Luzerner Bauern im Zweiten Villmergerkrieg 1712.
Eintrittspreis
CHF 15 für Mitglieder/ CHF 35 für Nichtmitglieder
Veranstalter*innen
Seniorinnen- und Seniorenuniversität Luzern




